"Courage! Nur Mut!", sprach und schrieb Mechtilde oft ihren Mitschwestern zu, sowie den Menschen, die ihr ihre Sorgen und Unruhen anvertrauten. Für ein Leben, das Gott so kompromisslos einlässt, wie Mechtilde es tat, braucht es wirklich Mut. Gegenseitig ermutigen möchten wir uns auch in diesem Blog und hoffen, dass auch Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sich auf ihrem Weg mit Gott ermutigt fühlen.



Samstag, 7. Mai 2011

Der Rahmen

Aus den Gedanken des gestrigen "Posts" könnten Nicht-Insider leicht schließen, unsere Berufung sei etwas rein Innerliches, was nur die Haltung betrifft. Aber jeder, der etwas Lebenserfahrung hat, weiß, dass eine innere Haltung, auch wenn sie noch so edel ist, mit der Zeit zerbröckelt, wenn sie keinen Ausdruck, keinen Rahmen, keinen Raum im Alltag findet. In unseren Klöstern stellen wir sozusagen den Rahmen für diesen Ausdruck bereit und versuchen, uns gegenseitig zu stützen.

Ganz grob sei der "Rahmen" hier vorgestellt: Wir leben in Gemeinschaft und unser Alltag spielt sich in einem Rhythmus von Gebet und Arbeit ab. Gebet – das bedeutet im klösterlichen Rhythmus Eucharistiefeier, Offizium (Gotteslob), Lectio Divina, Eucharistische Anbetung. Von diesen vier "Gebetssäulen" möchte ich hier besonders die Eucharistische Anbetung herausgreifen, weil sie für uns charakteristisch ist. Konkret ist sie so geregelt, dass jede Schwester täglich eine bestimmte Zeit für die Anbetung frei ist. Wenn die Anzahl der Schwestern es erlaubt, findet die Anbetung rund um die Uhr oder wenigstens tagsüber statt, so dass immer jemand in der Kapelle vor dem in der Eucharistie gegenwärtigen Herrn da ist. In allen unseren Klöstern wird überdies jeden Donnerstag das Allerheiligste ausgesetzt, aber die Anbetung als solche findet auch sonst, ohne Aussetzung, statt. Außerdem hat jede Schwester von Zeit zu Zeit ihren "Reparationstag". Wenn es zahlenmäßig geht, ist jeden Tag eine Schwester dran. In manchen Klöstern verbringt sie einen Vormittag, in anderen den ganzen Tag in Gebet und Anbetung. An diesem Tag soll die Schwester sich ganz bewusst in das Paschamysterium Jesu hineingeben, mit ihm verbunden sein, auch für Menschen, die dies aus den verschiedensten Gründen nicht können.

Das ist, ganz grob, der Rahmen, der uns helfen soll, dem Geist in unserem Leben wirklich Raum zu geben – und ihm diesen Raum nicht wieder zu nehmen. Aber er hat nur einen Sinn, wenn die Berufung darin wirklich lebendig bleibt und es immer wieder wird, falls sie erlahmt ist.

Sr. Mirijam Schaeidt, Trier

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